Pick up the Phone!

****FILE***  Apple CEO Steve Jobs holds up an Apple iPhone at the MacWorld Conference in San Francisco, Jan. 9, 2007. Apple Inc., on a tear with its popular iPod players and Macintosh computers, is expected to report strong quarterly results Wednesday. (AP Photo/Paul Sakuma) ORG XMIT: CAPS105

 

Ein Appell für weniger Textnachrichten und mehr Telefongespräche.

Bis am 8. Januar 2007 war die Welt noch in Ordnung. Dann, am 9. Januar 2007 – hat Steve Jobs an der Macworld 2007 Convention der Weltöffentlichkeit zum ersten Mal das Iphone vorgestellt. Und seit dann ist die Welt nicht mehr dieselbe. Tatsächlich, Steve Jobs hat (mal wieder) die Welt verändert. Im Positiven wie im Negativen, denn vor dem Iphone hatten wir meiner Meinung nach noch eine gesunde Mischung aus schriftlicher Kommunikation via Email und SMS und gesprochener via Telefon. Seither ist alles anders. Ich möchte dabei mein Thema gar nicht an Jobs Persönlichkeit aufhängen. Wäre er es nicht gewesen, hätte jemand anderes diesen technologischen Innovation gemacht, wenn auch vielleicht erst Jahre später. Denn Evolution lässt sich bekanntlich nicht aufhalten.

Aber von Anfang an: Der Mensch ist eine interessante Spezies. Schon immer gewesen. Und trotz allem Fortschritt und Zivilisation ändern sich gewisse Gewohnheiten auch über die Jahrhunderte nicht. So zum Beispiel der Hang der Menschen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Wie das Wasser immer elegant die grossen Steine im Fluss umgeht.

Missverständnisse, verletzte Egos und Vermutungen: Emails und Textnachrichten blockieren uns häufig mehr als sie uns dienen.

Wir leben in einer zunehmend oberflächlichen Welt, in der wir uns immer mehr hinter Computern und Smartphones verstecken. Wir sind geübte Strategen, die politische Spiele intern spielen, indem wir Emails hin- und herschieben, ohne wirklich produktiv zu sein. Wir verbringen manchmal Stunden, um in einem Email einen Sachverhalt zu erklären oder um uns zu rechtfertigen. In der schriftlichen Kommunikation treffen wir oft auf drei Herausforderungen:

1. Das Problem des Missverständnisses: Wir versuchen, uns zwar so gut als möglich zu artikulieren, aber wie wir vom Sender-Empfänger-Modell wissen, besteht ein grosser Unterschied zwischen dem, was der Sender sendet und dem, was der Empfänger empfängt. Das ganze zwischenMENSCHLICHE geht in der schriftlichen Kommunikation häufig verloren.

2. Das Problem des verletzten Egos: Gerade bei unangenehmen Diskussionen per Email, SMS oder privat per Whatsapp möchte jeder das letzte Wort haben, weil man sonst indirekt der anderen Person Recht gibt. Auch hier gilt die alte Weisheit: Der Klügere gibt nach. Wenn da nur nicht das bittere Gefühl des verletzten Egos wäre, erst recht in der schriftlichen Kommunikation. Wie soll man damit umgehen? Ganz klar. Gleich von Anfang an anrufen. Konfrontieren. Mutig sein. Statt stundenlang Emails zu formulieren, kann ein Anruf einen Sachverhalt in 10 Minuten klären. Oder auch nicht. Aber zumindest kann man sich wieder anderen Sachen zuwenden.

3. Das Problem der Annahmen und Vermutungen: Wir treffen zu oft Annahmen und meinen, es seien Tatsachen, ohne diese wirklich geprüft zu haben. Mit anderen Worten: Wir bauen uns unsere Wahrheit in unseren Köpfen auf und steigern uns beim Verfassen von Emails, SMS und Whatsapp-Nachrichten richtig in etwas hinein. Ohne die Version des Anderen zu kennen bzw. zu hören. Vielleicht hatte die andere Person ja einen lebensbedrohlichen Unfall und konnte daher nicht rechtzeitig antworten? Eines meiner Lieblingsbücher ist von Don Miguel Ruiz “Die Vier Versprechen”. Ein Versprechen, welches man sich selber geben sollte, ist, keine Vermutungen im Leben zu haben, bevor man die Fakten oder die Sicht des Gegenübers kennt. Allein die ständige Erinnerung dieses Versprechens hat mir schon ein viel erfreulicheres Leben beschert.

Daher mein Credo: NICHTS Negatives schriftlich. Hat man was zu sagen, konfrontiert man diese Person. Wenn möglich immer persönlich. Wenn es geographisch aufgrund der Distanzen nicht drin liegt, dann via Video-Call (Skype, Google Hangouts, etc.) oder ganz praktisch telefonieren. Denn in der Stimme hört man viele menschliche Nuancen, die in der schriftlichen Kommunikation verloren gehen. Man spürt, wie es der anderen Person wirklich geht. Daher ANRUFEN! oder wie es so schön auf englisch heisst: Pick up the Phone!

Um es geradeaus zu sagen: Je weiter unten Sie eine Kommunikationsform auf der unten abgebildeten Kommunikations-Pyramide auswählen, desto unwichtiger ist Ihnen die Person. Punkt und Basta. Aber klar, oftmals, speziell wenn man einen Menschen gut kennt, muss man sich nicht ständig persönlich treffen, hier kommt das gute, alte Telefonieren zum Zug. Durch ein Telefonat kann man am schnellsten und effektivsten Probleme lösen und Lösungen finden. Und ja, mit dem Smartphone kann man nicht nur texten, sondern in der Tat auch telefonieren! Falls Sie also wirklich in Ihrem Leben vorankommen wollen, dann nehmen Sie künftig häufiger das Telefon in die Hand. Falls Ihnen die Person wichtig ist, dann telefonieren Sie. Falls nicht, dann streichen Sie die Person aus Ihrem Adressbuch. Keine Regel ohne Ausnahme: Es gibt natürlich Fälle, wo Textnachrichten durchaus sinnvoll sein können, zum Beispiel bei knallharten Fakten wie Terminverschiebungen oder wenn man sich für etwas bedanken möchte um einen gelungenen Event positiv abzurunden. Positive Sachen kann man immer schriftlich schreiben, aber es soll für den Moment abschliessend sein und nicht zu einem langem Text-Austausch führen.

Kommunikations-Pyramide

Doch je weniger wir die direkte Konfrontation üben, desto weniger beherrschen wir sie. Wir sind uns nicht mehr gewohnt, konstruktive Kritik zu üben oder zu verteilen oder auf Gesten und Stimmen zu reagieren. Den Menschen als Ganzes zu lesen, dies gilt im Geschäfts- sowie im Privatleben. Und Gott bewahre, vielleicht sogar mit etwas Humor und Lockerheit schmücken. Wir verlernen die Spontanität, vor jedem Anruf werden Emails, Textnachrichten, Facebook und Linkedin – Status überprüft und überlegt, wie man was formulieren soll. Anstatt einfach anzurufen.

Doch selbst wenn Geschäftsleute im Büro vielleicht auf Konfrontation gehen, was eine sehr männliche Lebensweise ist, weichen viele von Ihnen den wichtigen Diskussionen zu Hause mit der Partnerin aus. Auch da ist Mut gefragt und nicht “einfach” durchgearbeitete Nächte als Entschuldigung verwenden, um notwendigen Diskussionen aus dem Weg zu gehen. Aber das hat wenig mit dem eigentlichen Thema des Telefonierens zu tun.

Gelesene Emails und Textnachrichten beschäftigen unser Unterbewusstsein mehr als wir vermuten und rauben uns unsere Spontanität  – um einfach mal anzurufen.

Ich habe Whatsapp vor fast drei Jahren deinstalliert. Es war mir oft zu oberflächlich. Und noch wichtiger – es hat mich vom richtigen Leben abgelenkt. Falls ich jemandem nur eine Whatsapp-Message wert bin, aber er oder sie keine Absicht hat, mich zu treffen, warum dann das Ganze? Da suche ich Menschen aus, deren gegenseitige Wertschätzung grösser ist.  Die meisten Whatsapp-Diskussionen kann man mit einem durstigen Menschen in der Wüste vergleichen, der anstelle einer ganzen Flasche alle paar Kilometer bloss einen Tropfen Wasser bekommt. Mit anderen Worten: Er investiert viel und bekommt wenig. Plötzlich ist der ganze Abend mit whatsappen verbracht worden und doch bleibt das leere Gefühl eines oberflächlichen Abends zurück.

Zusammengefasst gelten für mich folgende drei Kommunikations-Grundsätze:

  1. NICHTS Negatives schriftlich!
  2. ALLE Benachrichtigungen abschalten. Genau. Alle.
  3. Telefonieren. So oft wie möglich.

Als Emails vor 10-20 Jahren noch eine Seltenheit waren, hatten Benachrichtigungen noch ihre Berechtigung, aber heute? Stellen Sie sich vor, der Postbote würde für jede Nachricht auf Ihrem Smartphone auf ihre Schulter klopfen und Sie müssten irgendwo unterschreiben. Sie wären vermutlich etwa 100 mal abgelenkt. Und wissen Sie was? Sie sind es auch. Denn genau so sehr lenken Benachrichtigungen vom wahren Leben ab. Denn selbst die kleinste Nachricht kann man nicht einfach ‘wegdenken’, da das Unterbewusstsein die Information weiterverarbeitet, selbst wenn wir zurück im Gespräch sind. Wir hören immer davon, man soll möglichst präsent und im Moment leben. Aber die Kombination von einem Smartphone und der Kraft des Unterbewusstseins verunmöglicht dieses Unterfangen. Emails und Textnachrichten jeglicher Art distanzieren uns voneinander, anstatt uns menschlich zu verbinden. Emails und Textnachrichten werden mittlerweile nur noch als Pflicht angesehen. Jede Email ist ein Task, anstatt den Menschen dahinter zu sehen. Oder wie es Scott Dinsmore, der Gründer von Live Your Legend, in seinem letzten Community-Email vor seinem tragischen Unfalltod im September diesen Jahres treffend formuliert hat: “Disconnect to connect”, Auf Deutsch klingt es nicht ganz so elegant: “Stelle ab, damit du dich verbinden kannst.”

Falls Emails und Nachrichten für Sie wichtig sind, dann machen Sie weder Karriere, noch leben Sie richtig.

Burnout-Kandidaten haben das Gefühl, sie müssten als Ausgleich in wochenlange Meditationskurse gehen, um gefühlsmässig herunterzukommen. Dabei ist die Lösung so offensichtlich: Schalten Sie ALLE Benachrichtigungen ab. Viele meiner Coaching-Klienten argumentieren, das sei nicht möglich. Ich halte entgegen: Falls Emails und Nachrichten für Sie wichtig sind, dann machen Sie weder Karriere, noch leben Sie richtig. Sie setzen falsche Prioriäten, die sie später bereuen könnten. Sie leben nach der Agenda anderer, immer für diese verfügbar. Der wahre, tiefere Grund für die scheinbar willkommene Abhängkeit zum Smartphone ist die Ablenkung vom wahren Leben. Während man Mikro-Management betreibt, muss man sich nicht mit dem wahren Leben auseinandersetzen. Und man schaut sich 20 Jahre später im Spiegel, ratlos an und fragt sich: Wer bin ich überhaupt? Was habe ich die letzten Jahre bloss getrieben – ausser Emails?

Push

Es ist Zeit für einen Paradigmenwechsel auf dem Smartphone: Von PUSH zu PULL. Stellen Sie ALLE Benachrichtigungen ab, denn die Infos kommen eh immer zur falschen Zeit. Richtig, ALLE. Das heisst keine Emails, Whatsapp, SMS, News mehr. Geniessen Sie die Ruhe. Oder besser: Gewöhnen Sie sich wieder daran. Viele sind süchtig nach ihrem Smartphone und wissen gar nicht, was sie mit der Zeit ohne Nachrichten anfangen sollen. Gewöhnen Sie sich an die Ruhe und die Leere und daran, dem Geist wieder Raum zu geben, kreativ zu sein und sich an das Wesentliche zu erinnern. Zum Beispiel daran, die eigenen Eltern oder Geschwister anzurufen (nein, nicht zu texten). Gerade in der besinnlichen Weihnachtszeit – verbinden Sie sich wieder mit den Menschen, die Ihnen wichtig sind. Lassen Sie sich durch nichts davon abbringen.

Ich wünsche Ihnen ein frohes Weihnachtsfest.

Arsim Muslija

 

PS. Update vom Oktober 2016: Oh Wunder, ich habe wieder WhatsApp installiert. Grund für den Sinneswandel: Als Co-Trainer bei den Männer-Seminaren wurde ich von meinem Mentor Björn Leimbach gebeten, künftig die über 30+ grosse Männer-Gruppen via WhatsApp zu managen, damit diese Kontakte auch über die Trainings hinaus möglichst halten. Somit hatte ich jetzt einen beruflichen Grund das App zu installieren. Aber wie oben empfohlen sind die Benachrichtigungen ausgeschaltet, 1-3x pro Woche beantworte ich alle Sachen direkt am Notebook in einem Rutsch, da mittlerweile eine Browser-Version existiert. So habe ich maximalen Impact ohne zu fest vom richtigen Leben abgelenkt zu sein.

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