Warum Männer sich erheben müssen – Teil 1: Hintergründe

Warum Maenner

Heutzutage sind viele Männer verwirrt, fühlen sich missverstanden und überwältigt.

Die meisten ignorieren es, andere erkennen es, aber nur wenige geben es zu. Warum? Egal, wie weit wir in der Geschichte zurückgehen, seit Anbeginn der Menschheit existiert die gesellschaftliche Erwartung, dass Männer alles im Griff haben müssen. So wurden Männer von ihren Eltern, Lehrern und Trainern erzogen. Niemals Schwäche zeigen, vor anderen Männern immer der harte Kerl sein, Lösungen für Probleme finden, die starke Schulter zum Anlehnen für Frau oder Freundin sein.

Obwohl die technologische Entwicklung in den letzten 20 Jahren förmlich explodiert ist, sind die sozialen Strukturen und Perspektiven unserer Welt, das äußere Bild und die Erwartungen an die Männer immer noch genau die gleichen. Egal, welcher Männertyp gerade angesagt ist: der Marlboro-Mann, der Bartträger, der Metrosexuelle, der Spornosexuelle oder der Lumbersexuelle, Männer müssen immer stark und mächtig sein.

An sich ist das auch nicht verkehrt. Aber „stark und mächtig“ hat für unterschiedliche Männer unterschiedliche Bedeutungen, vor allem in Zeiten steigender Individualität wie heute. Was alle dieser Männer jedoch gemeinsam haben, sind folgende Fragen: „Wie erreiche ich das“, und: „Wie kann ich jemand werden, der von Frauen geliebt und von Männern respektiert wird?“ In diesen Fragen fühlen sich immer mehr Männer verloren und überwältigt, und deshalb brauchen wir mehr männliche Vorbilder und Führung.

Schauen wir uns an, was für Männer es derzeit da draußen gibt. Diese Liste ist nicht komplett, aber sie gibt dir einen groben Überblick:

1. Muskelprotze: Diese Männer trainieren ihre Muskeln 3-5 mal die Woche im Fitnesscenter, ernähren sich hauptsächlich von Hühnchen und Salat und schlucken Proteinshakes, Kreatine und alle möglichen Pillen, um männlicher zu werden. Bei ihnen sehe ich folgende Probleme: Obwohl Muskeln auf typische männliche Attribute wie das Annehmen von Herausforderungen und Ausdauer aufzeigen, fehlen diesen Männern zwei wichtige Komponenten: Mut und Durchschlagskraft. Mut ist etwas, das man sich antrainieren kann. Bereit zu sein, wenn der Augenblick gekommen ist – das ist ähnlich wie bei Soldaten, die sich auf den Krieg vorbereiten. Mit der Durschlagskraft hingegen ist das nicht ganz so leicht. Wenn du Stunden, Wochen, Monate, ja Jahre im Fitnessstudio verbringst, um deine Muskeln zu trainieren, nimmt dir das viel Zeit, welches dir nicht zur Verfügung steht Durchschlagskraft und Einfluss auf die Welt zu haben, außer du verdienst dein Geld als Bodybuilder oder Model. Was 99% dieser Männer nicht tun. Also gehen sie jeden Tag zur Arbeit, meist zu einem Job, den sie nicht mögen, und verbringen ihre Freizeit im Fitnessstudio oder in der Küche, um ihre Shakes und Vitamine zuzubereiten. Einfluss auf die Welt auszuüben heißt, etwas Gutes zu tun. Ein Vermächtnis zu hinterlassen. Etwas, das Bedeutung hat. Deshalb erleiden diese Männer nach ein paar Jahren oftmals eine “Gym-Krise”, weil ihnen den Sinn fehlt in ihrem Workout sehen, da sie in keiner Form zur Welt beitragen.

2. Karrieremänner: Diese Gruppe ist sehr männlich. Sie sind erfolgreich, entschlossen und diszipliniert. Sie arbeiten viel, zeigen Durchhaltevermögen und sind starke Verhandlungspartner. Emails sind ihre Waffen, das sind moderne Krieger. Aber was diese „Krieger“ nicht sehen, ist, wann der Krieg zu Ende ist. Wann sie nach Hause gehen sollten. Wann sie sich um ihre Kriegswunden kümmern müssen. Sie führen ihre Schlacht erbittert fort wie der Dreissigjährige Krieg im 17. Jahrhundert. Aber wofür? Für viele dieser Männer kommt der Tag, an dem sie erkennen, dass der Einzige, gegen den sie kämpfen, sie selber sind. Weil niemand mehr auf dem Schlachtfeld steht. Sie haben alle anderen „getötet“. Die eigende Familie ging in diesem Krieg vergessen oder sie sind gegangen. Und selbst wenn diese Krieger nach Hause gehen, können sie ihre Gewohnheit, zu kämpfen, nicht ablegen. Sie haben vergessen, was Leichtigkeit und Spaß am Leben sind. Sie haben massive Probleme, ein Leben ohne Schlachten zu führen. Viele sind nach Jahren abhängig von ihrer Arbeit. Sie haben sich selbst vom Leben abgelenkt. Sie finden immer noch irgendwo eine E-Mail, die beantwortet werden muss.

3. Familienmenschen: Familienmenschen finden sich oft in der entgegengesetzten Situation zum Karrieremännern wieder. Sie mögen keine Kämpfe, Konfrontation oder die Jagd. Sie verlassen nicht gerne ihre Komfortzone. Das ist nich weiter schlimm, ich habe grossen Respekt vor Männern, die die Verantwortung für ihre Familie übernehmen. Obwohl es nicht so aussieht, haben sie etwas mit dem Karrieremännern gemeinsam: Sie sind beide oft nicht in der Lage, sich um sich zu kümmern. Regelmäßig Sport treiben oder mal eine Wellness-Auszeit nehmen, sich entspannen, ein Hobby ausüben, ein gutes, nicht auf die Arbeit bezogenes Buch lesen, sich mit Freunden treffen etc. Sie kämpfen nicht für ihre Rechte, weil sie anderen dienen. Was nobel, aber auch gefährlich sein könnte, wenn das „Biest“ im Mann – seine Wut und Frustration – einmal aufwacht. Deshalb ist regelmäßige Selbstreflexion genauso wichtig, wie sich Zeit für den Genuss und Entspannung zu nehmen.

4. Faule Männer: Die faulen Männer sind ebenfalls ein interessantes Phänomen der heutigen Welt. Sie sind in einem Erste-Welt-Land mit finanzieller Stabilität, einer Kreditkarte, einem Sozialsystem und Internet geboren. Ihr Motto lautet: „Minimaler Aufwand für maximalen Spaß.“ Sie zeigen im Gegensatz zu den anderen drei Gruppen keinerlei männliche Attribute. Sie sind am weitesten entfernt von der Vorstellung, einen Einfluss auf die Welt zu haben und ein Vermächtnis zu hinterlassen. Die heutige Welt überwältigt sie, und sie wollen einfach nur vor ihrem Fernseher oder ihrer Playstation eine gute Zeit haben. Solange sie sich dieses Leben finanziell leisten können, ist alles gut. Ich beneide  manchmal diese Menschen, dass sie viel Spass haben und oft unbeschwert leben. Davon können andere Männer noch etwas lernen. Aber einige von ihnen haben diesen Weg nicht freiwillig gewählt. Ihnen fehlte in ihrer Jugend ein erfolgreicher, männlicher Mentor, ein wegweisender Vater oder ein Vorbild, und oft haben sie Angst davor, den Schritt ins Unbekannte zu tun. Je komplexer und digitaler unsere Welt wird, desto mehr dieser Männer wird sie erschaffen.

Tägliche Folgen der Globalisierung, Digitalisierung und die Emanzipation der Frauen

Wie ist es soweit gekommen, dass Männer sich verwirrt, missverstanden und überwältigt fühlen? Ich sehe vor allem drei Trends als Ursache:

1. Globalisierung: Bevor es für die Massen erschwinglich wurde, in ferne Länder zu fliegen, und bevor globale Fernseh-Sender die Welt eroberten, haben wir nach den Regeln unserer regionalen Gesellschaft gelebt. Wir haben das gemacht, was auch die anderen im Dorf gemacht haben und nur selten Impulse von Menschen aus anderen Städten oder Ländern erhalten. Die Globalisierung ermöglicht es uns, auf Knopfdruck Eindrücke aus anderen, komplett unterschiedlichen Kulturen zu sammeln. Die Frage, die viele Menschen umtreibt, ist: Sind die Werte und Regeln, die meine Eltern und Lehrer mir beigebracht haben, heute noch die richtigen? Männer stellen ihre Umwelt und ihre Entscheidungen wesentlich früher infrage, was sie oft in eine Krise stürzt. So wollen immer weniger junge Männer dem Weg ihrer karrierefixierten Eltern folgen und suchen nach einem Leben, das mit mehr Sinn, Freude und Bedeutung erfüllt ist.

2. Digitalisierung: Vor dem Internet war es bereits schwer genug, sich um EIN Leben zu kümmern, aber nun müssen wir uns um ZWEI kümmern: Die reale und und die virtuelle Welt. So viele Kommunikationsmöglichkeiten, so viele verschiedene Social Media Plattformen: Das überfordert die meisten Menschen. Jeder Gedanke und Aktivität, die wir in die virtuelle Welt investieren und darin, wie die Menschen uns dort wahrnehmen, lässt uns weniger Energie für die reale Welt übrig. Was viele nicht sehen (wollen), ist dass wir nicht vor dem Smartphone oder unserem Tablet als Mensch wachsen, sondern nur durch echte Interaktion und Erfahrungen. Je mehr wir uns darum sorgen, wie viele Likes und Retweets wir bei Facebook und Twitter erzielen, desto weniger Zeit haben wir in der realen Welt. Versteht mich nicht falsch, das Internet hat seine Vorzüge. Aber es geht darum, die richtige Balance zwischen der echten und der virtuellen Welt zu finden. Das ist eine einzigartige Herausforderung, der sich vorangegangene Generationen nicht stellen mussten. Da es so viel einfacher ist, die virtuelle Welt zu erfahren als die echte Welt, entscheiden wir uns oft, unsere Wünsche und Bedürfnisse im Geheimen aus der vertrauten Umgebung unseres Zuhauses zu erfüllen. Das Ergebnis sind menschliche Isolation und Internetsucht. Ich bin überzeugt, dass Einsamkeit DIE größte Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist. Wie also damit umgehen? Vielleicht kann man es so zusammenfassen: Je mehr Zeit du vor deinem Computer verbringst, desto weniger Mann bist du. Weil Leben, Abenteuer und Einfluss auf die Welt nicht vor unserem Computer passieren, sondern im echten Leben. Das Internet ist nur ein Hilfsmittel, nicht das wahre Leben.

3. Die Emanzipation der Frauen: Bevor Frauen gleiche Rechte bekamen (und wir haben immer noch einen langen Weg vor uns), war das Spiel in den westlichen Ländern einfach: Die Männer trafen in vielen Bereichen zu Hause und in der Politik die Entscheidungen für andere Männer und auch Frauen. Sie hatten die finanzielle Macht, Frauen die sexuelle, haushaltliche und emotionale Macht daheim. In der Zwischenzeit reicht es nicht mehr, dass der Mann der Versorger ist. Frauen wollen mehr. Bessere Ehemänner, bessere Väter, eine Karriere, ein erfülltes Leben außerhalb ihrer Rolle als Mutter. Aber wie geht ein Mann mit dieser Situation um und bleibt trotzdem ein Mann?

So, die Temperatur steigt, die Karten liegen auf dem Tisch. Die Frage bleibt: Wie gehen wir weiter vor? Welcher Weg führt aus der Misere in dieser Zeit, in der Männer sich mehr und mehr von der Welt und sich selber abkapseln?

Die Antwort: Eine neue Männlichkeit.


Mehr darüber im zweiten Blog dieser Serie: “Warum Männer sich erheben müssen – Teil II: Es ist an der Zeit für eine neue Männlichkeit.“

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